Die Geschichte der „Schmack“

 

 

Es gibt zwei grundverschiedene Segelschifftypen, die als Schmack bezeichnet werden. Das ist einmal die ‚englische’ Schmack, eine Art einmastige Kutteryacht, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Zollschiff in England in Gebrauch kam und später im gesamten Nordseegebiet für die Personenschifffahrt benutzt wurde.

Zum anderen ist es die ‚friesische’ Schmack, die im 17. Jahrhundert im westfriesischen Raum als Frachtsegler für die Binnen- und Wattfahrt entwickelt wurde. Zuerst war es ein kleineres, einmastiges, tjalkähnliches Schiff, und im 18. Jahrhundert baute man auch größere, nun anderthalbmastige Schmackschiffe für die küstennahe Seefahrt.

Für Papenburg haben die Schmacken eine besondere Bedeutung. Das Drostensiel von 1638 mit einer Durchlassbreite von 4,67 m ließ nur Ein- und Ausfahrt von kleinen Muttschiffen zu, Seefahrt konnte daher von Papenburg aus nicht betrieben werden. Die Papenburger Werften, Schiffbau ist in Papenburg seit 1723 nachgewiesen, befassten sich, dem Bedarf entsprechend, nur mit dem Bau von Torfschiffen. Das änderte sich, als im Jahr 1771 das neue steinerne Siel mit einer Durchlassbreite von 6,195 m eröffnet wurde. Hierdurch ergab sich für Papenburg die Möglichkeit, an der Seeschifffahrt teilzunehmen, und diese Möglichkeit wurde auch sehr schnell genutzt.

Die ersten von Papenburg aus fahrenden Schiffe sind mit Sicherheit ‚friesische’ Schmacken gewesen, die, so kann man annehmen, in den Niederlanden gekauft wurden. Doch bald stellten sich die Papenburger Werften auf den Bau des neuen Schifftyps ein, und so wurde Papenburg schnell der bedeutendste Bauort für Schmacken in Deutschland. Schmacken wurde zwar im gesamten deutschen Nordseeraum gebaut und betrieben, aber die weitaus meisten davon in Papenburg.

1781 besaß Papenburg an Seeschiffen 5 Kuffen, 1 Tjalk und 21 Schmacken, 1785 waren es 10 Kuffen, 3 Tjalken und 34 Schmacken. 1783 hat man in Papenburg 15 und 1786 noch 9 Schmacken gebaut.

Es ist also naheliegend, dass der Heimat- und Verkehrsverein Papenburg e.V. bei seinen Segelschiffsnachbauten auch eine Schmack haben wollte. Und gerade diese auch als Zeuge früherer Papenburger Seefahrtstradition außerhalb unserer Stadt vorstellen wollte.

Die große Zeit der Schmacken in Papenburg endete etwa zwischen 1800 und 1820. Damals wurde die Schmack durch einen anderen tjalkähnlichen  Schiffstyp abgelöst. Die Kuffen gewannen wegen ihrer günstigeren Segeleigenschaften zunehmend an Beliebtheit. Dieser Schiffstyp wurde in Papenburg mit dem Nachbau der „Margaretha“ schon vor einigen Jahren vorgestellt. Um nun eine Schmack nachbauen zu können, benötigte man zunächst einmal ausführliche Zeichnungen dieses Schifftyps. Und da begannen schon die Schwierigkeiten; denn in Archiven konnte nichst Geeignetes gefunden werden. Das ist auch nicht verwunderlich, denn bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden in Papenburg Schiffe überhaupt nicht nach Zeichnungen, sondern nur nach Erfahrungen und alter Überlieferung und auch nicht auf vorher festgelegten Klampen gebaut, d.h., nach Auflegen des Kiels und Aufrichten des Vor- und Achterstevens wurden die Außenplanken gebogen, zugepasst und von unten her zusammengebaut. Diese altbewährte Bauweise wurde schon von den alten Wikingern übernommen.

Kapitänsbilder, wie sie in großer Zahl im 19. Jahrhundert gemalt wurden, sind im 18. Jahrhundert noch selten gewesen. So ist in der Literatur nur das Kapitänsbild der Schmack „Aurora von Papenburg“ ( Kapitän Remmert J. Poelmann) 1805 erbaut und 1833 unter de Schiffer Johann Sürken an der Küste von Sandineiro gestrandet, bekannt. Neben einigen Schiffsskizzen in der Literatur und wenigen in Deutschland veröffentlichten Takelungsbeschreibungen haben vor allem Modelle im Schifffahrtsmuseum für die Rekonstruktion der jetzt von den Auszubildenden der Meyerwerft hergestellten Schmack gedient.

Beim Nachbau der Schmack waren einige wesentliche Änderungen gegenüber den Rekonstruktionszeichungen erforderlich, die sich aus der Weiterentwicklung der Seefahrt und der vorgesehenen Verwendung des Schiffes zwangsläufig ergeben.

 

  1. Das Schiff wurde in Stahlbauweise hergestellt, während es sich bei dem Vorbild um ein Holzschiff handelt.
  2. Die Masten wurden, abweichend vom Vorbild, zum Umlegen eingerichtet, um bei Fahrten auf den Binnenwasserstraßen alle Brücken passieren zu können
  3. Der Laderaum des Frachtseglers wurde zu Ausstellungsraum umfunktioniert, wobei es erforderlich wurde, Tageslicht durch Fenster in den –Raum zu bringen.
  4. Die Takelung wurde von der Spritsegeltakelung in der Rekonstruktion auf eine Gaffelsegeltakelung, die allerdings auf Schmacken der Jahrhundertwende auch üblich war, umgestellt, weil die alte Spriettakelung sehr unhandlich ist. Dabei wurde der Schnitt des Gaffelsegels so gewählt, dass es unverändert auch für eine Sprietsegeltakelung benutzt werden kann, um diese fast vergessene Takelungsart auf See erproben zu können.
  5. Es war notwendig, alle nach dem Stand der Seefahrtstechnik erforderlichen Navigations- und Sicherheitseinrichtungen auf dem Schiff zu installieren, wobei es nicht einfach war, ohne vom Äußeren her Bild und Charakter des alten Frachtenseglers zu stark zu beeinträchtigen 

 

Es gebührt Dank der Meyerwerft und ihren Mitarbeitern, die an diesem Nachbau tätig waren, dass hier ein schönes Schiff alter Seefahrtstradition entstanden ist, das allen Anforderungen moderner Seefahrt gerecht wird.

Zurück